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Politik Landkreis Mühldorf, 20.07.2010
Mühldorf: Zukunft ohne A94 und zweigleisige Bahn im demographischen Wandel?
Dreißig Jahre dauern die Versprechen an, seit dreißig Jahren wartet die Bevölkerung vergeblich. Die Rede ist vom Ausbau der Infrastruktur, vor allem der A94 und der Bahn.
Resigniert stellen viele Berufspendler fest: Keine Besserung in Sicht!
14.000 Menschen steigen am Mühldorfer Bahnhof täglich ein, um oder aus. Ca. 15.000 Fahrgäste zählt die Südostbayernbahn auf der Strecke zwischen Mühldorf und München.
Nicht Wenige wissen: Die Südostbayernbahn liefert bestmögliche Leistungen ab, allen technischen Voraussetzungen zum Trotz.
Doch Besserungen sind kaum mehr möglich.
Vor allem die Fahrzeit von mehr als einer Stunde zwischen München Hauptbahnhof und Mühldorf, verlängert durch die Wartezeiten auf den Gegenzug an den Kreuzungsbahnhöfen im Isental, wird in den kommenden Jahren nicht geringer.
Für junge Menschen ist dies ein Grund, sich Richtung München zu orientieren.
Nach den ewigen Versprechen, schenken diese Politik und Bahn keinen Glauben mehr.
Die Region bietet, trotz Chemieindustrie, zu wenig gut dotierte Jobs, für Frau und Mann. Vor allem gut ausgebildeter Nachwuchs im Doppelpack, wandert ab.
Parallelen zur Vergangenheit werden überschätzt: Von den Großfamilien am Lande wanderten ehemals zwei von vier Kindern ab. Heute zwei von zwei oder eins von eins.
Die Bevölkerungsprognose für den Landkreis Altötting sieht nüchtern aus: Hier wird die Zahl der Einwohner zurückgehen.
Die Einwohnerzahl im Landkreis Mühldorf wird gleichbleiben, in der Stadt soll sie sogar leicht steigen. Allerdings gilt auch hier: Die Zahl der älteren Menschen wird wachsen, die der Jungen stagnieren. Mittlerweile stellten Behörden im Allgäu fest, die prognostizierten Zuzüge aus dem Osten bleiben aus, sind geringer, als bisher angenommen.
http://www.laendlicherraum.bayern.de/themen/demographie-leitfaden/bevoelkerungs-vorausberechnung-fuer-kommunen.html
Im Gegensatz zum S-Bahn-Umland sowie der Stadt München, vor allem der Region Erding. Die werden mit ihrem Einzugsgebiet und den vielen Arbeitsplätzen, u.a. am Flughafen, extrem wachsen. Dagegen sind selbst die Zahlen aus Mühldorf ernüchternd.
Eltern folgen Enkelkindern und Kindern
Leben die Jungen in der Großstadt, folgen neuerdings gar die Eltern. Spätestens die Nähe zu den Enkelkindern führt im Landkreis Mühldorf mittlerweile dazu, dass Oma und Opa ihre Häuser verkaufen, um in der Stadt München Enkelkindern und Kindern näher zu sein.
Die Bayerische Staatsregierung hat unlängst eine Fülle von Ideen und Möglichkeiten für die Zukunft des ländlichen Raumes, in Zeiten des demographischen Wandels, veröffentlicht.
Demographie-Leitfaden
http://www.laendlicherraum.bayern.de/themen/demographie-leitfaden.html
Demografischer Wandel in Bayern
http://www.statistik.bayern.de/statistik/demwa/
Bauen und Demographischer Wandel
http://www.stmi.bayern.de/bauen/themen/demographie/
Alleine, die Probleme werden verkannt, erst recht die Folgen. Im Chemiedreieck bleibt der Eindruck, die Infrastrukturversprechen um Bahnausbau und A94 werden Jahr für Jahr neu aufgerollt, um der Jugend die künftige Nähe zu München schmackhaft zu machen. Zum Verbleib in der Heimat.
Ganz so, als hätten die Jungen gegenüber den Eltern nichts gelernt.
Derweil ist in Vereinen und Gesellschaft längst spürbar, wie viele, gut gebildete, junge Menschen dem Raum Mühldorf bereits den Rücken gekehrt haben.
Die eingleisige, vorsintflutliche Reise mit der Südostbayernbahn nach München, verbunden mit den nicht zu unterschätzenden Kosten, lässt auf Dauer zu wünschen übrig.
Die verlorene Freizeit, in Zeiten beidseitiger Vollzeitjobs, scheint nicht ersetzbar. Trotz den Vorzügen, des ländlichen Raumes. Die Zeiten, in denen ein Partner die Kinder erzog, während der andere arbeitet, sind längst vorüber. Derlei Familienmodelle sind heute nicht mehr finanzierbar, gut gebildete Frauen geben gut bezahlte Jobs nicht mehr auf. Lange Berufspausen, durch Kindererziehung, schaden zu sehr dem weiteren beruflichen Werdegang und der eigenen Karriere.